Franco Supino lässt in seinem Roman «Annette sagt» eine kämpferische Frau ihre Lebensgeschichte erzählen. Weil zu Hause niemand Verständnis für sie hatte, kehrte Annette dem väterlichen Bauernhof den Rücken und suchte ihren Weg allein. Sie traf auf Gleichgesinnte, auf Gegenspieler und immer wieder auf François. Der angebliche Vorkämpfer der Heilpädagogik, der sich als Annettes Förderer ausgab, vertrat letztlich aber nur eigene Interessen. Um sich abzulenken, wie Anette sagt, heiratete sie den sizilianischen Gastarbeiter Concetto und fand in ihm einen stillen, verlässlichen Freund. Schritt für Schritt erreichte sie ihre Ziele, wurde Kindergärtnerin, Primarlehrerin, Heilpädagogin, Schulleiterin – bis sie nach einem letzten Kampf gegen die Windmühlen der Schulbehörden wütend kündigte. Der Preis dafür war hoch, aber wer will schon, redet sich Annette ein, mit bald sechzig noch einmal Anlauf nehmen und abheben? Doch genau das macht sie. Nach Concettos Tod reist Annette nach Amerika und findet ein beinahe filmreifes spätes Glück.
»Mir geht es gut, vielleicht sogar erschreckend gut.«
Annette sagt
Roman
Rotpunktverlag
240 Seiten, 20.4 × 12.5 cm, Gebunden
ISBN 978-3-03973-098-8, 1. Auflage
Dieser Titel ist auch als E-Book verfügbar
Erscheint am 30.09.2026
Warum bezeichnen wir ein rücksichtsloses Aneinander-Vorbeireden als Kindergarten? Was müsste sich in der Schule verändern, damit sie (endlich!) eine Schule für alle wird – und warum gelingt dies nicht?
«In den in diesem Band versammelten Kolumnen, Artikeln und Reden zeigt sich Supino als intimer Kenner der Schule. Ob er Schulnoten mit Banknoten vergleicht, über das Lesen, über Lernverweigerer oder über pädagogische Liebe nachdenkt, immer zeigt er sich auf Augenhöhe mit den Menschen – Kindern und Erwachsenen –, die im Schulbetrieb wirken.» Christine Tresch im Nachwort
Erstmals in Buchform veröffentlicht wird die Rede von Peter Bichsel (1935–2025), die er anlässlich der Gründung der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des mehrsprachigen Unterrichts in der Schweiz 1994 gehalten hat und die Ausgangspunkt eines weiteren Textes in diesem Band ist.
Im Buch versammelt sind neue und exklusive Zeichnungen des Solothurner Künstlers Ernst Mattiello.
Redaktion und Nachwort: Christine Tresch.
Mit einer Rede von Peter Bichsel.
Ich wünschte, die Welt wäre der reinste Kindergarten
Texte zu Schule und Pädagogik
2026, Knapp Verlag
120 Seiten Klappenbroschur,
978-3-907334-48-5
Was wäre in Neapel aus ihm geworden, in der Stadt seiner Eltern? Als Kind plagte ihn die Angst, die Schweiz und alle seine Freunde verlassen zu müssen. Darum war es für ihn wie eine Befreiung, als 1980 in Süditalien die Erde bebte und innerhalb von neunzig Sekunden die Rückkehrpläne der Eltern in Schutt und Asche lagen. Nach dem Tod des Vaters, viele Jahre später, begibt sich der Erzähler auf Spurensuche nach Neapel, eine Stadt, deren Sprache er spricht, deren Gesetze ihm aber fremd sind. Auf einer Restaurantterrasse mit Blick auf den Golf von Neapel hört er zum ersten Mal den Namen Antonio Esposito. Ein Allerweltsname, aber dieser Antonio Esposito ist anders, ist ein gestohlenes Migrantenkind aus Westafrika, das in einen Camorra-Clan aufgenommen wurde, eine kriminelle Karriere machte und dann spurlos verschwand.
Das mögliche Schicksal des schwarzen Camorrista lässt den Erzähler nicht mehr los. Immer wieder kehrt er nach Neapel zurück, sieht sein verpasstes Leben mehr und mehr in dem von Antonio verwirklicht. Aber was ist aus Antonio geworden? Ist er tot? Hat er eine neue Identität angenommen? Oder lebt er im hoffnungslos überfüllten Castel Volturno als Namenloser unter Tausenden von afrikanischen Migranten?
»Franco Supino ist ein Wandler zwischen zwei Welten. Er ist sehr zu Hause in Solothurn, der hübschesten Kleinstadt der Schweiz – und doch voller Sehnsucht nach seiner alten Heimat Neapel, wo die Camorra die Strasse beherrscht, die Nonna in der Küche Orecchiette zubereitet und tief aus dem Boden das Grollen des mächtigen Vesuvs emporsteigt.«
SPURLOS IN NEAPEL
Roman
2022, Rotpunktverlag
250 Seiten
ISBN 978-3-85869-958-9
Dieser Titel ist auch als E-Book verfügbar
Die in diesem Band versammelten Geschichten sind seit 1984 in den verschiedensten Zeitungen, Zeitschriften und Festschriften erschienen. Das Buch ist eine Ode an Solothurn und Grenchen. Supino schreibt über die Filmtage, über die Literaturtage und Peter Bichsel. Da beschreibt ein Secondo, wie er seine Einbürgerung erlebt hat. Der Buchtitel „Solothurn liegt am Meer“ eröffnet neue Horizonte und bleibt nicht so bleiern schwer wie der Novembernebel am Jurasüdfuss hängen.
»Franco Supino ist für mich ein wahrhaftiger, stiller Held der Globalisierung. Er balanciert mit seinem Lebensentwurf unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen aus. Er hockt nicht einfach auf seiner Heimat, sondern er hat sie sich gewählt, ja: Er hat sich seine Heimat selbst erschaffen.«
SOLOTHURN LIEGT AM MEER
2009, Knapp Verlag
Perlen-Reihe
108 Seiten, geb.,
978-3-905848-23-6
Der Roman spielt irgendwo in der Schweiz der Nachkriegsjahre. Einst international bekannt, sind dem Dramatiker – in dem der Schriftsteller Cäsar von Arx erkennbar ist – der Zweite Weltkrieg und die Geistige Landesverteidigung zum Verhängnis geworden. Seine Stücke werden außerhalb der Schweiz nicht mehr aufgeführt. Er lebt mehr schlecht als recht von Aufträgen für Festspiele, mit denen er sich seinen Ruf als unabhängiger Künstler ruiniert. Stattdessen soll nun die Tochter ihren Weg als Künstlerin finden; die begabte Malerin wird in Paris an der Kunstakademie angemeldet.
Die schwere Erkrankung der geliebten Frau, ihr drohender Tod, wird für den Dramatiker schließlich unverhofft zur Erlösung, zur Schlussszene seines eigenen Lebens. Es geht in diesem Roman exemplarisch um ein letztlich gescheitertes Künstlerleben, aber auch um die symbiotische Liebe zweier Menschen und um eine außergewöhnliche Vater-Tochter-Beziehung.
Franco Supinos fünftes Buch vermittelt die Stimmung in der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg, und es ist eine Huldigung an all jene Menschen, die ihr Leben ganz der Kunst widmen.
»Supinos Künstlerroman besticht durch einen schnörkellosen Text und genaue Ortskenntnisse, durch überaus lebendige Szenen, die von witzigen Episoden aus den frühen Jahren des Vaters über sensible Tableaus späterer Jahre bis zur Wucht der Schlussbilder reichen, ebenso durch authentisch klingende Dialoge.«
DAS ANDERE LEBEN
Roman
2008, Rotpunktverlag
240 Seiten
ISBN 978-3-85869-376-1
Ciao amore, ciao erzählt die Geschichte der Sängerin Iolanda, die aus ärmlichen Verhältnissen italienischer Einwanderer in Ägypten stammt und als junge Frau zum europaweit umjubelten Star aufsteigt.
Als sich die erfolgverwöhnte Pariser Schlagersängerin Iolanda und der italienische Protestsänger Luigi Mai Mitte der Sechzigerjahre in Rom kennen lernen, ist es Liebe auf den ersten Blick. Am legendären Schlagerfestival von Sanremo wollen die beiden gemeinsam den großen Coup landen. Der erste Preis ist der franco-italienischen Diva und dem renommierten Cantautore so gut wie sicher. Doch es kommt anders anders: das Stück fällt komplett durch, und noch in derselben Nacht nimmt sich Luigi Mai das Leben …
Der Autor orientiert sich stark an den Biografien der Sängerin Dalida (1934-1987) und des Liedermachers Luigi Tenco (1938-1967), dessen unerwarteter Selbstmord in Sanremo bis heute die Gemüter bewegt. Der Roman ist eine Annäherung an das zeitlose Phänomen der Diskrepanz zwischen Sein und Schein, zwischen Authentizität und Inszenierung an. Die Erfolgssängerin italienischer Abstammung, die ihre ganze Jugend in Ägypten verbracht hat, baut ihre Karriere auf einer künstlichen Italianità auf, die ihr in Paris von rührigen Produzenten verpasst wird. Beruflich äußerst erfolgreich mit ihrem Image als Italienierin, scheitert sie privat bei jedem Versuch einer realen Annäherung an Italien. Es geht um Identität und kulturelle Wurzeln, um Erfolg und Misserfolg, aber auch um die Gegensätze zwischen Unterhaltungsindustrie und Protestkultur.
»Franco Supino ist ein spannendes Buch voller Poesie, Wehmut und Farbe über Migrantenschicksale im Allgemeinen und über dasjenige eines großen Stars im Besonderen geglückt.«
CIAO AMORE, CIAO
Roman
2004, Rotpunktverlag
276 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-85869-269-6
Mit der Reise durch Zimbabwe erfüllt sich für Berger ein Jugendtraum. Doch der Untersuchungsrichter ist auch auf der Suche nach einem Tatverdächtigen. Er findet ihn am Kariba-See. Der Mann erweckt in ihm zwiespältige Gefühle. Als er Berger vorschlägt, in Afrika zu bleiben und für ihn zu arbeiten, ist der Untersuchungsrichter zutiefst verunsichert. Ein knapp und präzise erzählter Krimi über die Faszination des Fremden und den Balanceakt zwischen verschiedenen Kulturen.
»Supino hat mit fast unverschämter sprachlicher Leichtigkeit ein Buch geschrieben, das Aufsehen und Gruseln erregt. Man weiß ja, wie wenig es manchmal braucht, bis man sich im Bett umdreht und Fantasien Wirklichkeit geworden sind.«
DER GESANG DER BLINDEN
Roman
1999, Nagel & Kirche
176 Seiten, geb.,
ISBN 978-3-3312002-53-5
Die Geschichte von zwei Freunden, die Geschichte einer Schuld. Franco Supino hat sie zwischen der Stadt in der Schweiz und dem neapolitanischen Dorf der Herkunft angesiedelt. Der Handlungsraum in zwei Kulturen macht sie zu dem, was man einen europäischen Roman nennen könnte. Er zeigt das Ungesicherte der Existenz zwischen den Welten. Doch meint das „man kann nicht zurück“ des Mottos auch ein moralisches Dilemma: Keiner kehrt in den Zustand der Unschuld zurück.
»Er weiß eine Geschichte zu erzählen, leicht, als wäre dies ein ganz einfaches Geschäft; er hat ein Ohr für Dialoge, ohne diese kopieren zu wollen; und die Konstruktion seiner Geschichte bleibt raffiniert versteckt. Die Rede ist von Franco Supino und seinem zweiten Roman, „Die Schöne der Welt oder Der Weg zurück“.«
DIE SCHÖNE DER WELT
Roman
1997, Nagel & Kimche
2010, Neuauflage, Rotpunktverlag
154 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-85869-410-2
Mit viel Poesie und Einfühlungsvermögen entwirft Franco Supino das Leben einer Generation, die versucht, jenseits von Nationalitäten eine eigene Identität aufzubauen. Ein Roman der „seconda generazione“.
»Hier schreibt einer. Das klingt banal und das scheint selbstverständlich, es ist es nicht. Supino ist ein Buch gelungen, das schon Hunderte vor ihm schreiben wollten, geschrieben haben, an ihm gescheitert sind. […]„Musica leggera“ ist die einfachste und ernsteste Liebesgeschichte der Welt, jene Liebesgeschichte, die auch die unsere war. Ich kenne dieses Buch schon lange, ich hatte nur noch nie die Gelegenheit, es zu lesen, weil wir alle den Mut nicht hatten, das ganz Einfache einfach so zu schreiben.«
MUSICA LEGGERA
Roman
1995, Rotpunktverlag
176 Seiten, Broschur
ISBN 978-3-85869-126-2