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HINTERGRÜNDE ZUM TOD VON LUIGI TENGO
Was in jener Nacht geschah
Am 26. Juni 1967 wird dem Gesuch des Sanremeser Untersuchungsrichters
Clemente Manfredi, die Ermittlungen im Falle Tenco einzustellen, vom
zuständigen Staatsanwalt Luigi Fortunato stattgegeben. Der letzte Satz des
Abschlussberichtes der amtlichen Untersuchungen lautet: „Es geht klar
hervor, dass sich der Sänger Luigi Tenco aus freiem Willen infolge der
Eliminierung seines Liedes „Ciao amore, ciao“ vom Festival das Leben
genommen hat und das jede Verantwortlichkeit Dritter auszuschliessen ist.“
Die Art und Weise, wie die Untersuchungsbehörden von Sanremo ihre
Arbeit geleistet haben, bilden den Nährboden für die Spekulationen und
Gerüchte, die seit jener Nacht den Tod von Luigi Tenco umgeben. Die
Zweifel berühren insbesondere folgende Fragen:
1) Wie kam Tenco zu der Waffe?
2) Wer hat wann ins U Nostromu
telefoniert?
3) Wer wollte einen Nervenarzt
alarmieren?
4) Mit wem hat Tenco von seinem
Hotelzimmer aus telefoniert?
5) Warum hat niemand einen Schuss
gehört? Wie viele Schüsse waren es?
6) Was sahen Augenzeugen, die nach
Dalida ins Zimmer 219 kamen, am Tatort?
7) Was ist an der Einschussstelle
hinter dem rechten Ohr ungewöhnlich?
8) Wie lässt sich erklären, dass die
Kugel den Schädel nicht verlassen hat?
9) Ist der Abschiedsbrief echt? Wie
viele Abschiedsbriefe gibt es?
10) Stimmt es, dass Dalida von der
Polizei nicht verhört wurde?
11) Wie lässt sich die ungewöhnliche
Lage, die der Körper Tencos auf den Fotos des Tatortes einnimmt, erklären?
12) Warum gelten die
Polizeiuntersuchungen als schlampig?
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1) Wie kam Tenco zu der Waffe?
up
Tenco, als Waffenliebhaber, besass mehrere Pistolen. Dennoch scheint
unbestritten, dass Tenco nicht vorsätzlich eine Waffe mit nach Sanremo
nahm. Es gibt als Erklärung zwei Versionen.
Die erste: Die Waffe lag im Handschuhfach von Tencos Auto. Tenco war mit
dem Zug aus Genua nach Sanremo gefahren. Vorher hatte er der RCA in Rom
telefoniert, jemand solle ihm doch den Wagen, der auf einem Parkplatz vor
den RCA Studios stand, nach Sanremo fahren. Marco Simone, der Werbechef,
fuhr den Wagen nach Sanremo. Bei einer Polizeikontrolle fand er die Waffe,
die fast auch dem Polizisten aufgefallen wäre, im Handschuhfach.
In Sanremo angekommen habe er, Simone, die Waffe Tenco mit der
Aufforderung übergeben, er solle sie nicht leichtsinnig, an einem Ort mit
praktischem freiem Zugriff aufbewahren. Dabei habe er ihn auch gefragt,
wozu er eine Waffe im Auto brauche. Tenco habe geantwortet, er werde seit
einiger Zeit bedroht. „Er sagte nicht genau, welcher Art diese Drohungen
waren, aber er sagte es in einem sehr besorgten Ton und auch ungerne, er
wollte nicht darüber reden.“ (Aussage gemacht in der Sendung von Radio Rai,
Telefono Giallo, abrufbar in Real Audio über http://members.xoom/_XMCM/tenco).
Die zweite Version wird von Valentino Tenco im Buch von Renzo Parodi
(Luigi Tenco, Tormena Editore, 1997) überliefert: Teresa Tenco habe die
Waffe irrtümlich beim Packen von Luigi Koffers hineingelegt, dies in der
Meinung, die Schachtel enthalte ein Aufnahmegerät, das Luigi in Sanremo
brauchen würde. Nach dieser Version soll also die Mutter unwissentlich dem
Sohn die Pistole mitgegeben haben.
2) Wer hat wann ins U Nostromu telefoniert?
up
Sehr widersprüchlich sind die Aussagen darüber, wer wie oft vom Hotel
Savoia ins Restaurant U Nostromu, wo die RCA ein Essen im Anschluss an das
Festival gab, telefoniert hat. Dalida hat der Polizei gegenüber erklärt,
sie habe gleich nach dem Betreten des Restaurants ins Hotel Savoia
telefonieren lassen, der Rezeptzionist solle sie informieren, sobald Tenco
im Hotel eingetroffen sei. Das sei der erste Anruf gewesen, ausgeführt von
Reverberi, dem Dirigenten und Jugendfreund Tencos.
Der zweite Anruf, vom Hotel ins Restaurant, sei vom Nachtportier des
Savoia gekommen, der mitgeteilt habe, Tenco habe seinen Schlüssel bezogen
und sich in sein Zimmer begeben.
1993 gab die seinerzeitige Wirtin des „U Nostromu“, Frau Lia Romagnone,
der Sanremeser Zeitung „La Riviera“ ein Interview, in der sie wie folgt
zitiert wurde: „Am anderen Ende des Kabels war die Stimme eines Mannes,
aber mit Sicherheit nicht die Tencos. Sie bat mich einen Herrn ans Telefon
zu rufen, der am selben Tisch wie Dalida sass. Der Anruf kam aus dem Hotel
Londra, nicht aus dem Savoia, denn der Portier hatte mir dies vor der
Vermittlung mitgeteilt. Ich gab den Hörer weiter, der Verlangte sprach nur
kurz, ging zurück zum RCA Tisch, sprach mit Dalida und gemeinsam
verliessen sie das Lokal.“(aus La Riviera, 1.4.1993)
Das würde bedeuten, dass Dalida auf Grund eines Anrufes (aus einem anderen
Hotel) zu Tenco gefahren ist.
Ein Jahr später, 1994, sagte Frau Romagnone der Zeitschrift Oggi (Februar
1994): „Tenco betrat das Lokal nicht. Nach einer halben Stunde klingelte
das Telefon. Eine ruhige, männliche Stimme verlangte einen Mann, an dessen
Namen ich mich nicht mehr erinnern kann. Dieser Mann kam ans Telefon,
sprach kurz und beim Zurückkehren an seinen Tisch hörte ich deutlich, wie
er vor sich hin sprach: ‚Tenco geht es nicht gut’. Er verliess gleich
darauf mit Dalida das Restaurant, während wir eben das Essen aufgetragen
hatten.“
Die Journalistin der „Riviera“ lässt im oben genannten Artikel auch einen
ehemaligen Kellner des „U Nostromu“ zu Wort kommen, den sie ermittelt und
interviewt hat. Dieser Kellner, namens Loreno Arnaldi, sagt darin aus:
„Dieser Anruf kam ca. 3/4 Stunden, nachdem die Leute der RCA das Lokal
betreten hatten. Dalida verliess sehr besorgt, ohne zu zögern, das
Restaurant. Wir servierten gerade den ersten Gang...“
In der bereits erwähnten Sendung „Telefono Giallo“ kommt eine nicht näher
benannte Tischgenossin zu Wort, die aussagt.“... ich war in jenem
Restaurant, das, wenn ich nicht irre, Il Nostromo hiess, zum Essen, ich
war sehr jung und war von der RCA eingeladen worden, weil ich die Tochter
eines Plattenproduzenten bin... als Verehrerin von Tenco war ich sehr
stolz gewesen, dort dabei sein zu dürfen, er war aber nicht da und ich
erinnere mich, wie plötzlich Dalida von weiss nicht wem gerufen wurde und
sie hat uns gesagt, sie hat uns allen dort mit lauter Stimme gesagt, dass
jemand sie angerufen habe, weil es Tenco nicht gut gehe...“
Paolo Dossena und Marco Simone, Mitarbeiter der RCA, die Dalida zum
‚Tatort’ begleiteten, haben stets Dalidas Aussagen bestätigt. Als Paolo
Dossena allerdings von der Zeitschrift Oggi im Februar 1994 mit der
Aussage der Wirtin des U Nostromu, Lia Romagnoni, konfrontiert wurde,
sagte er aus: „Ja, jetzt da ich darüber nachdenke, diesen Anruf gab es
wirklich, am Ende des Essens. Die Anrufe an diesem Abend waren effektiv
zwei, nicht einer. Der erste Anruf machte ich, ins Savoia... Ich wollte
mich vergewissern, dass Luigi heil ins Hotel zurückgekehrt war. Der zweite
Anruf war von jemandem, der mir etwas über Luigi mitgeteilt hat. Es war
ein Blitzgespräch, ich kann es nicht mehr rekonstruieren. Ja, vielleicht
sagte er, dass es Luigi nicht gut gehe, schliesslich beeilten wir, ich,
Simone und Dalida, uns mit dem Essen und verliessen das Restaurant gleich
darauf. Aber es war kein besorgter Anruf gewesen, weil dann, im Hotel, war
es für uns alle ein Schock, Luigi tot vorzufinden. Wer bekam diesen Anruf?
Entweder ich oder Simone, ich weiss nicht mehr. Ein Anruf kam, jedenfalls
scheint es mir. Es ist zu lange her...“ Wenn dieser Anruf tatsächlich kam,
wer war der mysteriöse Mann? Was wusste er und woher?
3) Wer wollte einen Nervenarzt alarmieren?
up
In der Sendung Telefono giallo kommt ein Arzt zu Wort, der Folgendes
aussagt: „Ich war damals ein junger Assistenzarzt in der Nervenklinik
Villa Speranza in San Remo. Ich erinnere mich, dass am Tag nach der
Tragödie unser Primarius erzählte, er sei in der Nacht kontaktiert worden,
eine Sänger brauche seine Hilfe, bald darauf sei ein zweiter Anruf
gekommen, er müsse nicht mehr kommen, der Sänger sei inzwischen
verstorben.“ Wer hat in der Nacht diesen Arzt angerufen und wozu einen
Psychiater?
4) Mit wem hat Tenco von seinem Hotelzimmer aus
telefoniert? up
Hat Tenco vor seiner Tat von seinem Hotelzimmer aus mit jemandem
telefoniert? Auch dieser Punkt ist umstritten. Der in den Polizeiakten
erwähnte Nachtportier schliesst aus, dass Tenco jemanden angerufen habe.
Die verschiedenen Journalisten und Buchautoren, die in den 90er Jahren
versuchten, die Fakten neu aufzurollen, konnten weder den besagten
Nachtportier noch sonst einen der ehemaligen Angestellten des inzwischen
geschlossenen Hotels Savoia ausfindig machen. Dass Tenco kurz vor der Tat
telefoniert haben soll, geben zwei Personen Parodi (S. 47) gegenüber an.
Der erste ist der Dirigent Gianfranco Reverberi: „Ich bin sicher, dass
Tenco mindestens einen Anruf gemacht hat. Das habe ich der Hotelabrechnung
entnommen. Er hat Ennio Melis, den künstlerischen Direktor der RCA, in Rom
angerufen. Aber Melis, der am Kartenspielen war, hat sich verleugnet. Ich
bin sicher, dass dies ein Hilferuf war.“
Der andere, der über einen angeblichen Telefonanruf von Tenco vor der Tat
zu berichten weiss, ist sein Bruder Valentino Tenco. Die ‚schweigsame
Geliebte’, Valeria, habe ihm, Valentino, 25 Jahre später anvertraut, dass
Tenco sie in dieser Nacht, gegen 1 Uhr, angerufen habe. Er habe ihr
angekündigt, dass er alle Schweinereien, die sich hinter der Bühne
Sanremos abspielten, öffentlich bekannt machen und mit Namen benennen
wolle.
Valentino Tenco ist inzwischen verstorben, Valeria bleibt weiter im
Verborgenen.
5) Warum hat niemand einen Schuss gehört? Wie viele
Schüsse waren es?
up
In den Zimmern neben Tenco wohnten Lucio Dalla respektive Sandro
Ciotti, Journalist und einer der berühmteste Fussballreporter Italiens.
Dalla schlief bereits, Ciotti redigierte einen Artikel. Im Zimmer Tenco
gegenüber waren die „Les compagnons de la chanson“ untergebracht (sie
waren die ausländische Gruppe, die Orietta Bertis „Io, tu e le rose“ Paten
standen). „Les compagnons de la chanson“ probten in Zimmerlaustärke.
Niemand hörte einen Schuss. Das erstaunt, da eine Waffe Kaliber 7,65, ohne
Schalldämpfer, in einem nicht sehr grossen Zimmer, einigen Lärm
verursacht.
Der ballistischen Untersuchungen ergaben, dass mit der neben der Leiche
von Tenco gefundenen Waffe zwei mal geschossen worden war. Tencos
Zimmernachbarn hatten also nicht nur einen Schuss, sondern zwei Schüsse
überhört. Wozu aber brauchte Tenco zwei Schüsse? Gemäss Polizeibericht
wurde der erste probehalber in die Luft gefeuert. Ob sich Spuren dieses
Schusses im Zimmer nachweisen liessen, wurde im Bericht nicht erwähnt. Mit
dem zweiten schoss sich Tenco in den Hinterkopf. Die Waffe wurde 1988(21
Jahre nach den Ereignissen!) Tencos Bruder Valentino zurückgegeben. Als
Valentino Tenco die Waffe von einem spezialisierten Laboratorium
untersuchen lassen wollte, stellte dieses fest, dass sie gereinigt worden
war.
Für Gianfranco Reverberi ist klar: sowohl der Anruf an Melis wie der erste
Schuss in die Zimmerdecke waren indirekte Hilferufe. Beide verhallten
ungehört. (Parodi S. 147)
6) Was sahen Augenzeugen, die nach Dalida ins Zimmer 219
kamen, am Tatort
up
In der Zeitschrift Europeo (1992) beschreibt Paolo Dossena die Szene
folgendermassen: „Dalida hielt Tenco in den Armen und schrie verzweifelt,
ihr Kleid war Blutgetränkt. Ich habe sie weggeschleift, sie schrie, bis
wir ihr Zimmer im Hauptgebäude erreicht hatten und ich sie in die
Badewanne legte. Sie schrie wie ein Tier, dass man zur Schlachtbank
führt.“
Diese Beschreibung stimmt mit jener am 29. Januar im „Corriere della sera“
widergegebenen Aussage eines Augenzeugen, des Journalisten Durans,
überein. „Dalida kam aus dem Zimmer, die Haare zerzaust, gestützt durch
zwei Männer. Sie schrie: ‚Ich wusste es, ich habe es gespürt. Warum sind
wir nicht auch ins Hotel zurückgekehrt? Er ist tot. Er ist tot.’“
Sandro Ciotti, der nur wenige Augenblicke nach Dossena das Zimmer 219
betrat, beschreibt in seiner Autobiographie (und auch gegenüber Parodi, S.
151) die Szenerie ganz anders: „Ich hörte Lärm im Gang, die Schreie von
Dalida, die ich aus dem Zimmer kommen sah in Begleitung ihres Ex-Mannes
Lucien Morisse. Ich sah Lucio Dalla und noch ein paar andere. Wir betraten
alle gemeinsam das Zimmer. Luigi lag am Boden, auf der rechten Seite. ...
Rundherum etwas Blut, nicht viel.... Was hatte Dalida mit ihrem Ex-Mann in
dem Zimmer verloren, fragte ich mich?“
Von Lucio Dalla gibt es zum Fall Tenco nur eine einzige Aussage, die kurz
nach den Ereignisse noch in der Nacht , während im Nebenzimmer die Polizei
an der Arbeit war, von einem Radiojournalisten in Dallas Zimmeraufgenommen
wurde. Später verweigerte er jede weitere Stellungnahme zum Fall Tenco.
Dalla beschrieb die Ereignisse so: „Ich war in meinem Zimmer und habe
Schreie gehört und bin sofort herausgesprungen.. Ich glaubte, es wäre
etwas Fröhliches, ich bin herausgesprungen... Dalida hat mich gesehen, sie
hat mich gerufen und hat gesagt, ich solle einen Arzt holen, sie war
völlig ausser sich, da habe ich für einen Augenblick Luigi gesehen, der am
Boden lag. Ich dachte, er sei in Ohnmacht gefallen, er habe sich schlecht
gefühlt, da habe ich einen Mantel genommen, bin hinaufgerannt und habe
einen Arzt gerufen, aber ich wusste nicht...“
7) Was ist an der Einschussstelle hinter dem rechten Ohr
ungewöhnlich?
up
Aldo Fegatelli (Luigi Tenco, Muzzio Editore 1987) befragte in seiner
Tenco-Biographie dazu einen Gerichtsmediziner, Professor Portigliatti
Bartoli aus Turin: „Es ist ein sehr eigenartiges, sehr abnormales Vorgehen
bei einem Selbstmord. In der medizinischen Kasuistik tötet sich ein
Selbstmörder mit einem Schuss in den Mund oder in die Schläfe. (S.67 ff.,
das Kapitel enthält darüber hinaus lesenswerte Exkurse verschiedenen
Ursprungs über die unterschiedlichen Funktionen des Selbstmordes). Solche
Erklärungen lassen viele Tenco-Anhänger bis heute an der Theorie des
Selbstmordes zweifeln.
8) Wie lässt sich erklären, dass die Kugel den Schädel
nicht verlassen hat?
up
Im Polizeibericht steht: „Im Leichenschauhaus des Friedhofs von Valle
Armea wurde die Leiche, im Beisein des Staatsanwaltes, untersucht. Ausser
einem Einschuss in der rechten Schädelpartie wurden keine anderen
Verletzungen oder sonstige besondere Spuren am Körper festgestellt.“ Die
Zweifler an der Selbstmordthese fragen sich: Wie ist es möglich, dass eine
Kugel Kaliber 7,65, aus nächster Nähe abgefeuert, im Schädel stecken
bleibt? Für sie ist klar: der Schuss wurde aus grösserer Distanz
abgefeuert.
9) Ist der Abschiedsbrief echt? Wie viele Abschiedsbriefe
gibt es?
up
Die Zweifler der Selbstmordthese glauben, der Abschiedsbrief sei
fingiert. Sie bezweifeln die politische Begründung der Tat. Orietta Berti
behauptet, Tenco habe nichts gegen ihr Lied gehabt, er habe ihr sogar
während den Proben zugeflüstert: „Was für ein sympathisches Walzerchen du
da singst.“ Im übrigen glauben die Gegner der Selbstmordtheorie, die
Schrift des Abschiedsbriefes sei nicht die Tencos.
Tenco hatte, belegt demgegenüber Parodi, keine eindeutige Handschrift.
Ausserdem hatte er an diesem Abend viel Getrunken und eine ganze Packung
Beruhigungstabletten geschluckt. Nicht weniger als sechs Mal wurde der
Abschiedsbrief von Graphologen untersucht mit unterschiedlichen
Ergebnisse, bis schliesslich, 1987, 20 Jahre nach den Tat, ein Gericht
amtlich festlegte, der Briefe sei von Tenco geschrieben worden.
Schliesslich machen die Skeptiker noch auf einen anderen Umstand
aufmerksam: Dalida gab in ihrer Aussage zu Protokoll, dass der Brief mit
dem Briefkopf des Hotels Savoia versehen war. Der Brief, der der Presse
präsentiert wurde und in der Folge in fast allen Tageszeitungen erschien,
hat keinen Briefkopf.
10) Stimmt es, dass Dalida von der Polizei nicht verhört
wurde?
up
Lange Zeit glaubte man, Dalida sei nach den Ereignissen sofort von
Sanremo entfernt und nach Paris zurückgebracht worden. Im Buch von Parodi
sagt der damals in Sanremo mit der Untersuchung des Falles beauftragte
Kommissar Molinari aus „ Dalida war keineswegs aus dem Hotel verschwunden,
sondern wartete ausser sich und weinend in einem Nebenzimmer. Ich hatte
ihr Beruhigungsmittel verabreichen lassen und sie hatte versprochen, dass
sie am nächsten Tag auf dem Kommissariat erscheinen würde. Sie kam wie
vereinbart ins Kommissariat, machte ihre Aussage und gegen Mittag reiste
sie nach Frankreich zurück. Die Befragung wurde in französischer Sprache
durch einen Polizisten durchgeführt, der die Sprache gut beherrschte.“ (Parodi,
S. 158/59)
Warum hätte Dalida ihre Aussagen nicht in ihrer Muttersprache machen
sollen? Tatsächlich enthält die amtliche Schlussakte eine Zeugenaussage
von Dalida, in der Handschrift eines Beamten (die dann im Kommissariat mit
Schreibmaschine übertragen wurde). Sie trägt die Überschrift: Jahr 1967
27. Januar im Hotel Savoia in Sanremo um 5.20 Uhr, und hat folgenden
Wortlaut: „Am Ende der Vorstellung des Festivals haben wir uns zusammen
mit anderen Künstlern und Journalisten ins Restaurant „Nostromo“ begeben.
Der Sänger Tenco war in einem sichtlich depressiven Zustand und hat uns
alle um ca. 0.30 verlassen mit der Bemerkung, er wolle alleine sein, und
ist mit seinem Auto ins Hotel zurückgefahren. Im Wissen um seinen
Seelenzustand haben wir ins Hotel angerufen, um uns zu versichern, dass er
zurückgekehrt sei. Um 2.10 Uhr des heutigen Tages, nach der Rückkehr, habe
ich mich zum Zimmer 219 begeben, um mich des Gesundheitszustandes des
Tenco zu vergewissern. Ich habe die Tür zu, aber nicht abgesperrt
vorgefunden und die Zimmerschlüssel steckten aussen im Schloss. Ich habe
mehrmals geklopft, ohne eine Antwort zu bekommen. Ich bin eingetreten, das
Licht war an und ich habe Tencos offensichtlich leblosen Körper am Boden
liegend vorgefunden. Ich habe telefoniert, dass ein Unfall vorgefallen sei
und dass ein Arzt benötigt werde. Viele Leute sind ins Zimmer gekommen,
und ich habe allen das Vorgefallene geschildert. Ich möchte festhalten,
dass auf dem Nachttischchen in Tencos Zimmer ein Blatt mit dem Briefkopf
des Hotels lag, auf dem ich Tencos Handschrift erkannte und das mit den
Worten: „Ho voluto bene“ und mit den Worten „Ciao Luigi“ endet.“
Die Zweifel in Bezug auf den Abschiedsbrief: siehe dort.
11) Wie lässt sich die ungewöhnliche Lage, die der Körper
Tencos auf den Fotos des Tatortes einnimmt, erklären?
up
Eines der wichtigsten Argumente der Gegner der Selbstmordtheorie wurde
erst kürzlich entkräftet: Die Fotos, die vom Toten Tenco im Hotelzimmer
aufgenommen wurden, zeigen ihn am Boden liegend, die Füsse unter einer
Kommode gestreckt. Die Waffe liegt zwischen seinen Beinen. Mit Recht haben
die Skeptiker argumentiert, dass in dieser Position kein Selbstmörder zu
finden ist. Zudem: wenn er einen Schuss hinter seinem rechte Ohr
abgefeuert hat, wie soll die Pistole, hinunterfallend, zwischen seinen
Beinen zu liegen kommen?
Erst 1997, im Buch von Parodi (S. 154ff), wird der Sachverhalt aufgeklärt.
Der Kommissar Molinari legt Parodi gegenüber ausführlich und offenherzig
dar, dass der Leichnam Tencos nicht so fotografiert wurde, wie man ihn im
Zimmer vorgefunden hatte.
12) Warum gelten die Polizeiuntersuchungen als schlampig?
up
1) Die Waffe wurde nicht auf Fingerabdrücke untersucht. Sie wurde
sorgfältig gereinigt 1988 dem Bruder Valentino Tenco zurückgegeben.
2) Es wurde kein sogenannter Paraffinhandschuh von der Hand Tencos
genommen, um anhand der Schmauchspuren eindeutig beweisen zu können, dass
er geschossen hat.
3) Es gab keine Autopsie des Leichnams. Auf die Frage nach dem Grund
antwortete Kommissar Molinari in der Zeitschrift Oggi 1994: „Wir mussten
Geld sparen“.
4) Die Fotos, die als Beweismittel den Akten beigelegt wurden,
entsprechen nicht dem Tatort. Die Polizei hat den Leichnam, so wie sie ihn
vorgefunden hat, nicht fotografiert.
5) Das Zimmer wurde nicht weiter untersucht (zum Beispiel nach der
zweiten Kugel oder nach Blutspuren). Die Beamten des wissenschaftlichen
Dienstes beliessen es bei einer Beschreibung seiner Einrichtung.
Ob dahinter allein Schlamperei lag oder doch Kalkül, wie einige meinen,
bleibt Interpretation.
Bild 1 Die Leiche von Luigi Tenco wird über den Hinterausgang des
Hotels Savoy abgeführt.
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Bild 2 Dalida, begleitet von ihrem Ex-Mann Lucien Morisse, verlässt
San Remo
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Bild 3 Dalida verlässt das Hotel Savoy über den Hinterausgang
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Bild 4 Dalida (mit Brille) am Gedenkgottesdienst für Luigi Tenco im
Januar 1968
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FOTOS ZUM VORFALL


Bild 1 Die Leiche von Luigi Tenco wird über den Hinterausgang des
Hotels Savoy abgeführt.
Bild 2 Dalida, begleitet von ihrem Ex-Mann Lucien Morisse, verlässt
San Remo
Bild 3 Dalida verlässt das Hotel Savoy über den Hinterausgang
Bild 4 Dalida (mit Brille) am Gedenkgottesdienst für Luigi Tenco im
Januar 1968
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- Luigi Tenco
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