© Solothurner Zeitung / MLZ; 12.05.2004; Seite 1
Kanton SO
Wer wirklich etwas will, erreicht dies auch
KANTONSSCHULE SOLOTHURN · Das Stück «General Suter» des Theaterfreikurses hat
eine klare Aussage
Der Theaterfreikurs der Kantonsschule Solothurn setzt auf die Region:
Aufführungsort ist das Kunstmuseum Solothurn, wo das Johan-August-SuterPorträt
von Frank Buchser hängt. Und Solothurner sind auch Autor Cäsar von Arx,
Regisseur Franco Supino und Bühnenbildner Oskar Fluri. Nadine Masshardt
Im Kunstmuseum Solothurn, vor dem Hintergrund des General-Suter-Bildes, wird vom
13. bis 16. Mai das Stationentheater von Cäsar von Arx zur Aufführung gelangen.
Die Proben laufen auf Hochtouren und die Vorfreude bei den Schülerinnen und
Schülern ist gross. Die Schauspieler in historischen Kostümen überzeugen mit gut
einstudierten Dialogen und Monologen. Das Stück lebt von ihrem Einsatz. «Das
Theaterspielen ist etwas für die Seele. Es stellt mich auf und bereitet mir viel
Spass», meint Darsteller Emanuel Hammer. Regisseur Franco Supino verlangt viel
von seinen Schülerinnen und Schülern. Streng fordert er grössere Aufmerksamkeit
und Intensität des Ausdruckes. «Versucht, mehr von innen heraus zu spielen»,
fordert er.
Goldgräberstimmung vor 200 Jahren...
«Ich bin ein Mann, der weiss, was er will. Nicht mehr oder weniger», spricht
Emanuel Hammer als General Suter. Dieser erreicht seine Ziele. Die Frage ist
wie. Die Schauspieler sind entsetzt über das Handeln der Hauptfigur: «Suter ist
ein reiner Egoist. Er kennt keine Skrupel und denkt nur an sich und seine
Profite. Er ist ein richtiger Kapitalist!» Es bereite aber grossen Spass, in
eine andere Rolle zu schlüpfen und auch einmal das Gegenteil von sich selber zu
spielen, sagt Emanuel Hammer.
Das Stück erzählt die abenteuerliche Geschichte des Johan August Suter, der in
der Schweiz von seinen Gläubigern flieht, Frau und Kinder zurücklässt, um
schliesslich grosse Teile des heutigen Kaliforniens in seinen Besitz zu bringen.
General Suter ist der Eroberer von San Francisco, das in jener Zeit erst ein
kleines Fischerdorf war. «Neu Helvetien» nennt er sein Reich. 10 Jahre nach
seinem Erwerb wird auf seinem Land Gold gefunden. Instinktiv spürt er, dass das
Gold auf seinem Land seinen Untergang bedeutet... Dies ist die Geschichte von
einem Tellerwäscher, der es zum Millionär schafft und am Ende wieder zurück zum
Tellerwäscher fällt», fasst der Regisseur das Leben der Hauptfigur in wenigen
Worten zusammen. Das Stück spiele zwar vor 200 Jahren, der Inhalt sei aber noch
heute hochaktuell. «Amerika ist quasi omnipräsent, ebenso die Frage nach
Gerechtigkeit», folgert Franco Supino.
Die Schülerinnen und Schüler lieben dieses Stück. «Es ist toll, in historischen
Kleidern zu spielen. Auch die Texte sind einmal etwas anderes. So würden wir im
Alltag nie sprechen», meint Darstellerin Christine Hasler.
Den Solothurnern eine Ehre erweisen
Cäsar von Arx, 1895 bis 1949, war der grösste Schweizer Dramatiker vor
Dürrenmatt und Frisch. Der Solothurner Autor ist als der letzte grosse
Festspieldichter in Erinnerung. Der Maler Frank Buchser, der selber ein
Abenteurer war, porträtierte den alten Suter in Washington. Eben dieses Bild
hängt heute im Kunstmuseum Solothurn. «Ausschlaggebend für die Wahl des Stückes
war dieses Bild, verbunden mit der Möglichkeit, im Kunstmuseum zu spielen», sagt
Regisseur Franco Supino.
Seit dem 3. Mai laufen die Proben auf Hochtouren, 6,5 Stunden pro Tag sind die
Darstellerinnen und Darsteller unter der Leitung von Franco Supino in Aktion.
«Die Proben verlaufen sehr intensiv und kooperativ. Jede einzelne Person zählt.»
Es gibt keine Anzeichen von Sättigung oder schwindender Motivation. Im
Gegenteil: Die Freude ist den Darstellerinnen und Darstellern ins Gesicht
geschrieben. «Es ist sehr intensiv, und unsere Stimmen werden stark beansprucht.
Aber all das nehmen wir gerne in Kauf, denn der Spass überwiegt», fasst Akteur
Emanuel Hammer zusammen. Die Stimmung unter ihnen sei super, finden die
Darstellerinnen Jennifer Widmer, Claudia Ruf und Christine Hasler, wie : «Wir
sind ein richtiges Team!» Noch gilt es, letzte Kostüme zu organisieren und
Frisuren festzulegen. Franco Supino witzelt: «Einen Hippie als Landjäger aus dem
19. Jahrhundert könnt ihr nicht bringen.»
Suters Geschichte spricht ein breites Publikum an. Einerseits durch die lokalen
Bezüge, andererseits thematisch. Abenteuer, das Land der unbegrenzten
Möglichkeiten, Wilder Westen, Pionierzeit, Goldrausch - all dies prägt das Stück
und ist auch in unserer Zeit aktuell. Utopien wird es so lange geben, wie der
Mensch die Hoffnung auf ein besseres Leben hegt. Die Osterweiterung der EU ist
für viele Bürger der Oststaaten genau eine solche Utopie. Sie hoffen auf den
Westen, genau wie es einst Johan August von Suter tat.
Aufführungsdaten: Donnerstag, 13. Mai, Freitag, 14. Mai, je 20 Uhr, Sonntag, 16.
Mai, 17 Uhr, 1. Stock Kunstmuseum Solothurn.
«General Suter» Regisseur Franco Supino (r.) gibt den Akteuren in den Proben
letzte Anweisungen. Oliver Menge